Berufliches Gymnasium: Hollywood im Klassenraum

Offenbach Post vom 15.07.2014

OBERTSHAUSEN - Zwei Jungs stehen am Rand des Schulhofs eng beieinander, tuscheln etwas, blicken nervös um sich und tauschen plötzlich Geld und ein Tütchen mit weißem Pulver darin aus. „Im Kasten!", gibt der Kameramann sein Okay.

Die talentierten Darsteller vor der Linse werden wohl keinen Oscar für ihren Auftritt abstauben. Aber für einige intensive Englisch-Stunden taugte die Idee einer Gruppe Lehramts-Studenten allemal: Sie produzierten Filme mit Oberstufen-Schülern der Georg-Kerschensteiner-Schule.
Die Szenen, die die Schüler im eigenen Klassenraum und an verschiedenen Orten in der Frankfurter Innenstadt gedreht haben, wurden alle in der ersten Fremdsprache aufgezeichnet. „Youth Culture", Jugendkultur, lautet das Thema, zu dem die Teenager eigene Kurzfilme geschrieben und produziert haben. Dabei fielen den Gymnasiasten Probleme wie Drogen, Mobbing und Schulstress ein.

Vor der Kamera stehen, die auswendig gelernten Inhalte auf Englisch zu sprechen, und das alles vor den Augen von Passanten - daran mussten sich die Nachwuchsschauspieler und -Regisseure aus der Klasse 11 BG 8 erst gewöhnen. Manchmal brauchte es mehrere Anläufe, bis eine Szene im Kasten war. „Als Autos im Hintergrund durchs Bild gefahren sind, war unser Ton futsch", erzählt ein Schüler.

Für ein Projekt mit Lehramts-Studenten der Goethe-Universität schlüpften die Schüler der 11 BG 8 der Georg-Kerschensteiner-Schule in die Rolle von Schauspielern, Regisseuren und Kameramännern. ■ Foto: M.

„Es war schon eine Herausforderung, sich mit altmodischen Klamotten und Brille verkleidet in die Stadt zu stellen und komische Blicke zu ernten", schaut Christina auf das Projekt zurück. „Aber es hat Spaß gemacht!" Melissa hatte eine Sorge weniger -Englisch ist ihre Muttersprache. Die Regie, die jedes Aufnahmeteam ebenfalls selber stellte, forderte keine festen Texte, sondern freie Dialoge. Und wenn doch mal die Worte fehlten, waren die angehenden Lehrer von der Frankfurter Goethe-Universität zur Stelle. „Die sind auf uns eingegangen, haben sich um uns gekümmert, uns aber auch freie Hand gelassen", resümiert Julia. Das sei „entspannter als das normale Lehrer-Schüler-Verhältnis" gelaufen.

Obendrein vermittelten die Pädagogen in spe die Drehorte. So durften die Schüler auch in der Carl-Schurz-Schule in Frankfurt drehen. Die Inhaber des Modeladens Leonidmatthias in Sachsenhausen stellten das Geschäft zur Verfugung, selbst teure Kleidungsstücke durften die Darsteller anziehen. Der Dank der Macher geht auch an die Bar St. Tropez im Bahnhofsviertel und an die Besitzer der Shisha-Bar Pasha in Griesheim.

„Die Jugendlichen haben alles gegeben", lobt Englischlehrer Michael Nowak. „Sie haben ein hohes Tempo an den Tag gelegt und geackert". Das Rohmaterial wird nun von den Studenten geschnitten und nächste Woche in der Klasse präsentiert.

Die Aktion dient den Älteren als Jahres-Abschlussarbeit. Die jüngeren Schüler gewannen neben einer ganzen Menge Vokabeln vor allem mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit der Fremdsprache.