Seifenblasen auf der Haut

Offenbach Post vom 12.06.2013

Spielfest für Schüler mit Behinderungen bewegt im Sportzentrum auch Jugendliche der "Kerschensteiner"

Von Michael Prochnow

Obertshausen - „Tooor!“ Das kleine Mädchen mit dem schüchternen Blick weiß offenbar gar nicht so recht, wie ihm geschieht. Mit Hilfe der jungen Frau vorm Tor landet das Leder im Gitter.

Ihr Jubel erfasst die Schülerin, die auf wackeligen Beinen balanciert und von einer Jugendlichen geführt wird. Zum neunten Mal stieg gestern das gemeinsame Spiel- und Sportfest für Schüler mit Behinderungen aus Stadt und Kreis Offenbach. 350 sind mit ihren Lehrern und Betreuern ins Sportzentrum gekommen, fast alle aus den fünf Einrichtungen in der Region.

Betreut von Elft- und Zwölftklässlern der Georg-Kerschensteiner-Schule machten etwa 350 Schüler mit Behinderungen gestern beim Spiel- und Sportfest mit - Foto: Michael

Claudia Jäger, die Erste Beigeordnete des Kreises, dankte den Initiatoren, allen voran dem Sportkoordinator der Offenbacher Schulen, Eduard Schneider. Der Obertshausener ermöglicht die einzigartige Aktion mit seinem Sponsorenkreis „Freunde für Freunde“. Die gastgebende Stadt stellt das Sportzentrum kostenlos zur Verfügung, die Firma Mühle Verpackung in ihren Mauern kleidet die Helfer von der Georg-Kerschensteiner-Schule mit gelben T-Shirts ein. Etwa 250 Teenager der Klassen 11 und 12 seien diesmal dabei, informierte der Koordinator im Fach Sport an den Beruflichen Schulen, Sven Voigt.

„Gelebte Inklusion“

Sie begleiteten jeweils eines der Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen oder packten an einer der Stationen auf dem Gelände mit an. Da sollten Kegel mit einem Pendelball umgeworfen werden, Bälle in einen Korb gelangen, kleine Pfeile auf einer Zielscheibe landen. Viele maßen sich auch in den leichtathletischen Disziplinen, der Lauf führte aber nur über 25 Meter, die Weiten beim Springen notierten die Helfer großzügig. Auf Steh-Fahrrädern kurvten die Kandidaten um Pylonen, im Wahrnehmungszelt legten sie sich in ein Bad aus Bällen, ließen sich von Seifenblasen und Federn auf der Haut inspirieren.

Die Gymnasiasten und Berufsfachschüler haben einen Tag in den Förderschulen hospitiert, um ihre Schützlinge und deren Anforderungen kennen zu lernen. „Das ist gelebte Inklusion“, sagt Voigt, bei dem sich noch 80 Schüler mehr für einen Job mit den hilfsbedürftigen Jungen und Mädchen gemeldet haben. Die aktiven Jugendlichen engagieren sich an diesem Vormittag auf dem Platz mit viel Herz und Engagement.

„Für mich ist das eine großartige Erfahrung“, schwärmt die 17-jährige Anna. Sie war schon im vergangenen Jahr dabei, unter den Mitschülern habe der Einsatz für Hot Dog und Cola schon Tradition.

Auch Obertshausens Erster Stadtrat Hubert Gerhards, Peter Dinkel vom Sportkreis sowie der Leiter des Sportbüros Offenbach, Jürgen Weil, und Susanne Meißner vom Staatlichen Schulamt lobten die Idee. „Sport ist für Menschen mit Behinderungen ein wichtiger Schlüssel zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, um Wege aus der Isolation zu finden“, weiß Silvia Wagener von der Ehrenamtsförderung im Kreis Offenbach. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen, sie plant die An- und Abfahrt der 70 Kleinbusse wie den Auftritt der Boygroup: Die Jungs von der Fröbelschule in Offenbach rissen im Gagnam Style mit.