Sprechen statt abbrechen

Offenbach Post vom 29.06.2013

Landesweites Projekt "QuABB" soll Auszubildende vor dem Abbruch bewahren. An der Georg-Kerschensteiner-Schule funktioniert's.

OBERTSHAUSEN - Daran, dass Schüler plötzlich wie vom Erdboden verschluckt und nicht mehr zu erreichen sind, hat sich Ralf Laschewski schon gewöhnt. Von Lena Marie Jörger

Deshalb wundert es den Ausbildungsbegleiter auch nicht besonders, als einer seiner Schützlinge nicht wie vereinbart zum Pressegespräch erscheint. „Man braucht eben viel Geduld“, sagt Laschewski. Im Rahmen des Projekts „QuABB“ (qualifizierte berufspädagogische Ausbildungsbegleitung in Berufsschule und Betrieb) hilft er Berufsschülern bei Problemen rund um ihre Ausbildung. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Auszubildende in den Berufsfeldern Wirtschaft und Verwaltung, Gastronomie und Logistik. Laschewski arbeitet deshalb eng mit den Beratungslehrerinnen für die jeweiligen Felder, Sabine Groh, Kirsten Mönch und Hildegard Sprink-Hansemann, zusammen.

Christine Uffelmann im Gespräch mit Ausbildungsbegleiter Ralf Laschewski und Beratungslehrerin Hildegard Sprink-Hansemann. Das Projekt wurde 2009 vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Entwicklung und dem Kultusministeriums ins Leben gerufen. Ziel ist es, Schüler davon abzuhalten, ihre Ausbildung abzubrechen und stattdessen Perspektiven aufzuzeigen. Insgesamt zwölf Modellregionen in Hessen nehmen daran teil. Koordiniert wird das Projekt vom Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik INBAS. Auch Laschewski ist dort als Ausbildungsbegleiter angestellt.

Wer Hilfe braucht, findet die in seiner Sprechstunde. „Zunächst muss dann geklärt werden, wo das eigentliche Problem liegt“, berichtet Laschewski. „Meist verbirgt sich das nämlich hinter etwas ganz anderem.“ Bei vielen Schülern fehle, so Kirsten Mönch, die Unterstützung in der Familie. „Der Beginn der Ausbildung markiert einen neuen Lebensabschnitt, da braucht man manchmal einfach jemanden zum Zuhören“, sagt sie. Private Probleme sind besonders oft Thema in den Beratungsgesprächen, denn sie wirken sich unweigerlich auf den Arbeitsalltag aus.

Das spürte auch Christine Uffelmann am eigenen Leib. Täglich zwei Stunden Fahrt zur Arbeitsstelle und zurück waren irgendwann zu viel für die Auszubildende. „Ich habe gemerkt, dass ich das nicht mehr schaffe“, erzählt sie. Durch einen Bekannten erfuhr Uffelmann von „QuABB“, besuchte kurzerhand Laschewskis Sprechstunde. „Dort habe ich dann jede Menge Tipps zur Wohnungssuche bekommen.“ Mittlerweile ist die Auszubildende umgezogen, die anstrengende Fahrzeit Geschichte.

Für das „QuABB“-Team war das ein vergleichsweise leichter Fall. Schwieriger wird es, wenn der Ratsuchende plötzlich doch nicht mehr will. „Wir haben zwar einen langen Atem und haken auch nach, warum jemand die Beratung ablehnt“, erklärt Sprink-Hansemann. „Aber wir können auch niemanden zwingen.“

Insgesamt ist sie mit der Resonanz aber mehr als zufrieden. Die Schüler nehmenQuABB sehr gut an“, sagt Sprink-Hansemann. „Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, ist einfach geringer, weil wir vor Ort sind.“ Vor allem männliche Auszubildene nutzen das Angebot, wovon die Beratungslehrerin aber überrascht ist. „Ich hätte es eher umgekehrt erwartet.“ Eigentlich sollte das Projekt, das vom Land Hessen und dem Europäischen Sozialfonds der EU finanziert wird, dieses Jahr auslaufen, wurde jetzt aber um anderthalb Jahre verlängert.