Aufrüstung im Schummel-Sport - An GKS ortet ein Detektor Technik zum Spicken

Offenbach Post vom 08.06.2013

OBERTSHAUSEN - Kleine Zettel mit winzigen Matheformeln, das war gestern. Das gute alte Schielen zum Nachbarn - aus der Mode. Im Zeitalter von Mobiltelefonen, bei denen das Telefonieren Nebensache ist, wird elektronisch gespickt. Ob blitzschnell per Chat mit der Freundin über die Aufgaben beraten, im Eiltempo online im Duden nachschlagen oder abgespeicherte Notizen aufrufen, die technischen Raffinessen machen’s möglich. Sogar einzig mit dem Ziel Betrug geschriebene Apps, Kleinstprogramme fürs Handy, helfen bei der Schummelei.

Knapp 300 Euro kostete der Detektor Dirk Ruber. - Foto: Jörger Doch nicht nur Schüler rüsten auf. Dirk Ruber, kommissarischer Leiter der Obertshausener Georg-Kerschensteiner-Schule, ist ebenfalls um einen kleinen Helfer reicher. Mit einem Handy-Detektor will er dem Smartphone-Spuk ein Ende bereiten. Seit Februar ist das unscheinbare schwarze Gerat in Betrieb, das Funkwellen orten kann. „So können wir feststellen, ob in einem Raum ein Handy eingeschaltet ist“, erklärt Ruber. Bei Prüfungen, aber auch im normalen Unterricht, werde der Detektor eingesetzt. Ganz genau lokalisieren könne er den Übeltäter damit allerdings nicht.

Erwischt Dirk Ruber jemanden, reiche der sogenannte Anscheinsbeweis, um die Klassenarbeit des betreffenden Schülers mit einer Sechs zu bewerten. „Viele Schüler meinen, man müsste ihnen das Spicken erst beweisen", wundert sich Ruber.

Über die neuen Schummelmethoden seiner Schüler kann er aber auch schmunzeln. „Ich sehe das als sportlichen Wertkampf", gibt er zu. „Es gibt Jäger und Gejagte." Das Ende der Aufrüstung ist das nicht: Ab Sommer soll eine Plagiat-Software bei der Überführung von Abschreibern helfen. „In Hausarbeiten wird viel kopiert", bedauert Ruber. Der Fairness halber sollen deshalb gleichzeitig Kurse angeboten werden, in denen die Schüler das Hausarbeitenschreiben erstmal lernen - ganz ohne Handy, dafür aber mit umso mehr Hirn.
■ Ijö