GKS-Schüler begeistern mit Kleist-Lustspiel

Offenbach Post vom 13.05.2013

Tief in die Seelen der Figuren eingetaucht

GKS-Schüler begeistern mit Kleist-Lustspiel

OBERTSHAUSEN ■ Für Marthe ist nicht nur ein Krug zerbrochen, sondern eine ganze Welt. Ihr Vertrauen in die Obrigkeit ist erschüttert, seit dem sie weiß, dass Richter Adam ihrer Tochter Eve nachstellt.

Da kann man schon mal außer sich geraten, so wie die Theaterfreunde im Deutsch-Kurs des Beruflichen Gymnasiums an der Georg-Kerschensteiner-Schule. Sie haben das Lustspiel vom „zerbrochenen Krug" von Heinrich von Kleist mit viel Verve auf die Bühne gebracht, aber auch hinter den Kulissen einen guten Job geleistet.

26 Schüler haben den Unterricht im Rampenlicht dem im Klassenraum vorgezogen. Und wie bei kreativen Angeboten üblich, haben sich nur wenige Jungen für den Wahlpflichtkurs auf den „Brettern, die die Welt bedeuten", gefunden. Das hat für die jungen Damen zur Folge, auch die typischen Männerrollen übernehmen zu müssen. Selbst Ton- und Lichttechnik Hegen komplett in weiblicher Hand.

Die Gruppe hat die Hälfte der Rollen für die beiden geplanten Aufführungen doppelt besetzt, neben Regieassistenz und Souffleuse auch Verantwortung für Requisite, Logistik, Kostüme, Maske und Plakatwerbung verteilt. Sie organisiert den Empfang, ein anspruchsvolles Catering und eine pfiffige Moderation und schafft so ein rundum gelungenes Gesamtwerk.

Mit ihren beiden Aufführungen des Lustspiels „Der zerbrochene Krug' von Heinrich von Kleist begeisterten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem des Kursus „Darstellende Kunst' der Obertshausener Georg-Kerschensteiner-Schule ihr Publikum. ■ Foto: Michael

Und sie taucht tief ein in eine Welt voller Intrigen, Lust und Liebe, bietet dem Zuschauer mit Lokalkolorit einen zusätzlichen Zugang zur Thematik. Die Regie legt die Verhandlung vom holländischen Dorf Huisum bei Utrecht ins hessische Darmstadt. Die Gerichtsbarkeit lässt sich Käse aus Limburg und Wurst aus Thüringen servieren - für Richter Adam ein wichtiges Ablenkungsmanöver.

Bevor er aber Ruprecht zum Dienst an der Waffe nach Ostindien in den sicheren Tod schicken kann, bricht seine Verlobte Eve ihr Schweigen und stellt den Richter an den Pranger: Er ist in ihre Kammer eingedrungen, dabei von Ruprecht gestört worden und hat auf der Flucht den kostbaren Krug zerstört, der Mutter Marthe vor Gericht geführt hat. Gerichtsrat Walter und Schreiber Licht, ob der Verletzungen des Richters stutzig geworden, ebnen mit ihrer Aufmerksamkeit und Kombinationsgabe die Vorarbeit zur Entlarvung des Juristen.

Die jungen Talente tauchen tief ein in die Seelen der Figuren aus dem 17. Jahrhundert. Energisch, textsicher und überzeugend vorgetragen kämpft die Mutter um Gerechtigkeit. Nicht weniger aufgewühlt versucht sich der Rechtssprecher freizurudern von den wachsenden Vorwürfen. In heiter-übertriebener Form redet er sich gegen die Klägerin und den vermeintlichen Übeltäter in Rage, väterlich bezirzt er die angebetete Eve.

Es ist absehbar, die Taktik hält dem Druck der „Guten" nicht stand. Dem Richter bleibt nur die Flucht, doch selbst die rettet ihn nicht. Das Theaterteam ist mehr als gerettet, darf auf hervorragende Zensuren durch Christiana Blumöhr hoffen, der Leiterin, des Wahlpflichtkurses.

Der kommissarische Schulleiter Dirk Ruber weist darauf hin, dass viele Aktivitäten an den beruflichen Schulen die Handschrift der Kollegin tragen. Noch ein Grund, um „unheimlich stolz" auf „seine" Schule zu sein. ■ M.

Quelle: Offenbach Post vom 13.05.2013