Wo Minirock als Sünde gilt

Offenbach Post vom 14.03.2013

Ehemalige informieren am Assistententag

OBERTSHAUSEN -Das wäre vor einigen Jahren undenkbar gewesen: Teenager, den 18. Geburtstag im Visier oder gerade gefeiert, und heftig in Schale geworfen. Jungs mit Schlips und Lackschuh', Mädchen mit dunklem Kostüm und dezentem Make Up, und das im ganz normalen Schulalltag - So ganz wie gewohnt ist so ein Assistentetag dann aber doch nicht, Schüler der kaufmännischen Ausbildung an der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) treffen dabei auf das richtige Leben draußen, den Berufsalltag.

Abteilungsleiterin Andrea Dörnemann bereitet seit acht Jahren Lernende in den Fachrichtungen Fremdsprachensekretariat, Bürowirtschaft sowie Gastronomie, Hotellerie und Fremdenverkehrswirtschaft auf die Veranstaltung im Mehrzweckraum der beruflichen Schule vor. Dort stellen sich Vertreter potenzieller Arbeitgeber vor, Bewerbungsgespräche werden geübt, die Rolle der sozialen Netzwerke im Internet beleuchtet und eben die richtige Kleidung besprochen.

Ehemalige der Georg-Kerschensteiner-Schule berichteten aktuellen Schülerinnen und Schülern beim schon traditionellen Assistententag über ihre Erfahrungen im Berufsleben. • Foto: Michael

Ein zu tiefes Dekollete ist in einem Vorzimmer freilich deplaziert, ebenso zerrissene Jeans, ein Minirock, zu viele Ringe in der Lippe oder sichtbare Tätowierungen.
Diese Sünden erkannten Mitschüler auf den Fotos, die zwei der künftigen Sekretärinnen angefertigt hatten. Eingangs informierten Gäste von Personaldienstleistungsunternehmen die Schüler über Voraussetzungen für eine Einstellung.

Ungünstig sei es heutzutage, wenn ein Bewerber sich bei der Vorstellung als Abstinenzler präsentiert, im Internet aber auf Partys und mit vollen Gläsern zu erkennen ist. Eine Absolventin schwärmte von der Zeitarbeit, das sei „finanziell super", denn es gebe Zuschläge, die nicht versteuert werden müssten, und die seien individuell verhandelbar. Natürlich gebe es in der Branche auch „schwarze Schafe", schränkte die Zeitarbeiterin ein.

„Setzt Euch jetzt auf den Hintern", riet sie ihren Zuhörern, „die Zeit des Lernens ist überschaubar". Nach der Ausbildung habe sie eine verkürzte Lehre zur Bankkauffrau machen können, erzählte eine andere Ehemalige.
„Für mich war die GKS auf jeden Fall das Richtige." Und, „genießt die Schulzeit, danach habt ihr nicht ansatzweise so viel freie Zeit", gab eine andere Besucherin ihren Nachfolgern mit auf den Weg.

Die hörten noch Erfahrungsberichte von einer Au-pair-Organisation, die Arbeiten und Reisen verbindet, von einem Praktikum als Karrierestart und einem „Traumjob am Flughafen" im Sicherheitsbereich. Aufmerksam lauschten die jungen Leute auch den Worten des kommissarischen Schulleiters Dirk Ruber, der seine berufliche Laufbahn als Friseur und Visagist begonnen hat. ■ M.

Quelle: Offenbach Post vom 14.03.2013