Schüler-Koch-Pokal

 Offenbach Post vom 24.01.2013

Liebesgedicht für Nemesis

Von Michael Prochnow

Heusenstamm - Geschafft! Sarah zuppelt noch ein bisschen an den Rosenblättern, dann kann aufgetragen werden: Die Kürbis-Ingwer-Suppe als Vorspeise, zum Hauptgang Geflügelröllchen - Hühnerbrust, gefüllt mit Blattspinat und Ziegenkäse oder Pilzen zu Kartoffelpüree, warme Schokotörtchen mit einem weichen Kern aus Nutella-Bananen-Espuma und Erdbeeren mit Schokoüberzug.

Eine Kreation des Teams Heusenstamm B für den Wettbewerb um den Schüler-Koch-Pokal. Wem da nicht das Wasser im Munde zusammenläuft!.

Elisa Maria Stoica hat ihren Auftrag fest im Griff, die Schülerinnen der 11 HBF-2-7 von der Kerschensteiner-Schule helfen den Teams im Wettbewerb.

Nur ein Dibbegucker bleibt trotz all der Köstlichkeiten, die in den Lehrküchen der Obertshausener Georg-Kerschensteiner-Schule zubereitet werden, ungerührt. Wilfried von Hofe war lange Zeit Küchenchef im Kaufhof-Restaurant und 37 Jahre Prüfer der Industrie- und Handelskammer Offenbach. Erst als die Mädchen der Koch-AG der Adolf-Reichwein-Schule auftischen, zollt der Experte Lehrer Volker Salminkeit seinen Respekt vor der Leistung der Mädchen aus den Jahrgangsstufen Acht und Neun.

Die Haupt- und Realschule allein stellt zwei der acht Gruppen in der Vorrunde des Kochwettbewerbs der Region Darmstadt. Organisiert wird er von der Veranstaltungsagentur Teamwerk bei Leipzig. Anke Schärfen hat Austragungsorte und Sponsoren ausgemacht - Moritz Hoffmann von der Entaga-Energie aus Darmstadt begleitet die Aktion in Südhessen.

Alexandra rührt noch eifrig in dem Topf mit der Schoko-Soße, Elisa Maria huscht zwischen dem Kochfeld und der Anrichte hin und her und setzt die Früchte in den Pudding. Noch 15 Minuten bleiben dem Quartett, um das Menü im Lehrrestaurant zu präsentieren. Asmae taucht die Erdbeeren zur Hälfte in die Soße, Dajana verziert die Teller mit derselben.
Mannschaft A hat nach der Markklößschensuppe als Vorspeise und Ente in Sauerkirsch-Zimt-Soße mit Nudeln im Hauptgang nun Chocolat Nemesis im Angebot, eine leckere Creme, die den Namen der griechischen Rachegöttin trägt.

Klar, der Genuss dieser kalorienreichen Süßigkeit rächt sich womöglich mit ein paar mehr Gramm auf den Rippen - nicht aber bei den engagierten Hobbyköchinnen. Dajana schrubbt schon die Töpfe. Unterstützung erfährt sie dabei von Schülern der Höheren Berufsfachschule für Gastronomie und Touristik, die zu dieser Stunde eigentlich Unterricht am Herd hätten.

Alexandra serviert nun die Nachspeise auf die Tafel, die Asmae kunstvoll mit historischen Kochbüchern, tönernen Kelchen auf Samt in einer Schatulle und einer kleinen Standuhr arrangiert hat. Elisa Maria trägt passend zur Ausstattung und zum Mahl ein Liebesgedicht vor. Sarah von Gruppe A stellt ihre Kreation mit Roten Rosen an den Tellern in Reimen vor.

Die Darstellung der Gerichte fließt nämlich auch in die Bewertung ein. Koch und Juror von Hofe verteilt Punkte für die Ausarbeitung und Kalkulation der Rezeptur - nicht mehr als 18 Euro durften ausgegeben werden. Er prüft, ob frische und gesunde Zutaten verwendet werden, bewertet den Arbeitsablauf, Ordnung und Sauberkeit, blickt auf Schneidetechnik und Würzen der Speisen, aber auch auf Energie- und Wasserverbrauch, die Menge des Abfalls und die Mülltrennung.

Manfred Gottwald, Lehrer an der Kerschensteiner, gerät ins Staunen ob der sicheren Handgriffe und des erfahrenen Vorgehens an den Töpfen. Das gelte auch für die Talente von der Offenbacher Ernst-Reuter Schule und aus Bad Soden-Salmünster. Manche der Reichwein-Schülerinnen trainieren ihre Fertigkeiten bereits seit drei Jahren in der AG.

Schließlich sind es auch Klassen, die an der Leibnizstraße den täglichen Mittagstisch zubereiten. Zu den 40 Stammgästen der Mensa zählen längst auch einige Kollegen, sagt der Leiter stolz. Jetzt wartet er mit seinen Schützlingen gespannt auf die Ergebnisse des Vorentscheids der südhessischen Gruppen, die im Februar kochen. Die drei besten Teams kommen in die nächste Runde.