Zwei Platten für vier Gänge

Offenbach Post vom 27.04.2017

Kerschensteiner-Schüler Jannik Jährling ist Hessens bester Nachwuchs-Koch/Faible für französische Küche

OBERTSHAUSEN I Grund zur Freude für die Georg-Kerschensteiner-Schule: Von dort stammt in diesem Jahr Hessens bester Koch-Azubi, Jannik Jährling.


Zwei Herdplatten, ein vorgegebener Warenkorb und ein ambitionierter Nachwuchskoch - mehr braucht es im Fall von Jannik Jährling nicht, um ein besonderes Vier-Gänge-Menü zu kochen. So besonders, dass sich der Schüler der Georg-Kerschensteiner-Schule bei den Hessischen Jugendmeisterschaften damit den ersten Platz vor seinen elf Kontrahenten im Kampf um den Titel „Bester Koch“ sicherte.

Jannik Jährling legt beim Anrichten der Vorspeise letzte Hand an seinen Couscoussaiat an. - Foto: Dehoga Hessen/Kalle Meyer

Dabei war sich der 22-Jährige, der seine Kochausbildung im Kempinski Hotel Gravenbruch absolviert, während des zweitägigen Wettbewerbs manchmal gar nicht so sicher, ob er erfolgreich sein würde. „Nach dem ersten Tag habe ich mal kurz gedacht, das wird nix mehr“, erinnert er sich. An diesem Abend wollte er bereits mit dem Dessert des viergängigen Menüs fertig sein. Dieses mussten die Teilnehmer aus einem für jeden Gang vorgegebenen Warenkorb kreieren, ergänzt um frei wählbare Produkte aus einem allgemeinen Warenkorb.


„Am ersten Abend hatte ich fürs Dessert gerade einmal meinen Rhabarber entsaftet“, gesteht er. An Tag zwei sei es dann aber rund gelaufen, nicht zuletzt, weil sich der Jungkoch inzwischen an die Wettbewerbs-Küche im Gesellschaftshaus des Palmengartens in Frankfurt gewöhnt hatte. Diese erforderte von den Köchen ein besonders strukturiertes Arbeiten. Zwei Herdplatten hatte jeder Teilnehmer zur Verfügung - nicht viel, um ein Menü mit vier Gängen für 14 Gäste zu kochen. „Etwa 70 Prozent der Zeit war eine davon nur von meiner Soße belegt“, erzählt Jährling.
Sein Siegermenü aus Couscous Salat, Karotten-Curry Cremesuppe, Lammrücken und Rhabarber-Vanille-Kompott sicherte dem Jungkoch neben dem Sieg auch ein einwöchiges Praktikum bei Patrick Bittner, Küchenchef des Restaurants Français in Frankfurt.


Die klassische Französische Küche hat es dem 22-Jährigen angetan. „Die würde ich gerne noch erlernen“, sagt er. Und Fleisch sei natürlich auch ein Thema, fügt er hinzu. So könne es ihn später, nach seiner Ausbildung, vielleicht auch mal nach Peru oder Argentinien ziehen. Mit der Wahl seines Ausbildungsbetriebs ist Hessens bester Nachwuchskoch übrigens rundum zufrieden. Er habe immer in ein Hotel gewollt, da dort aufgrund der verschiedenen Küchenabteilungen von der Frühstücksküche bis zum hauseigenen Sterne-Restaurant, breiter gestreut sein. Mit. seinem Landes-Sieg hat sich Jannik Jährling auch die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Dort tritt er Ende Oktober mit dem Team Hessen an. Doch davor stehen noch einige gemeinsame Trainings in Theorie und Praxis an. Dabei wird unter anderem durchgespielt, was an Herausforderungen im Wettbewerb verlangt werden könne, so Jährling. Ziel sei es, einen „Baukasten im Kopf"' zu schaffen, aus dem man anhand der vorgegebenen Produkte im Wettbewerb nur noch das Passende abrufen müsse.


Trotz all der Kocherei steht Jannik Jährling auch privat immer noch gerne am Herd. „Das Kochen ist mir, glaube ich, in die Wiege gelegt worden“, vermutet er. Bereits die Großeltern besaßen ein Restaurant in Frankfurt. Schon im Alter von acht Jahren war für ihn klar, er würde einmal Koch werden. Doch freut er sich ab und an auch mal, einfach nur bekocht zu werden. Vor allem von seiner Mutter, mit der er die Liebe für gute Küche teilt. Im Gegensatz zu früher frage sie ihn jedoch immer häufiger, ob es denn auch gut gewesen sei. Die Antwort von Hessens bestem Koch-Azubi ist dabei stets ein Ja. Denn daheim bei Muttern ist es eben doch am besten.