Landtagsabgeordneter Ismail Tipi (CDU) diskutiert mit GKS-Schülern über Salafismus und IS-Terror

„Nicht nur ein paar Spinner“

OBERTSHAUSEN I Schüler der Georg-Kerschensteiner-Schule haben mit dem Landtagsabgeordneten lsmail Tipi über Salafismus diskutiert. Der Politiker brachte dabei zum Teil drastische Beispiele.

Einen freien Platz gibt es nicht mehr in der Aula der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS). Irgendwie will das, was der CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi zu Beginn einer Diskussionsrunde mit Schülern- über Salafismus sagt, nicht ins allgemeine politische Credo passen: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“. Die Schüler stützen. Wenn alle Muslime die Republik verließen, wo wäre der Islam, fragt er mit Blick auf dann leere Moscheen.

Aber natürlich gehörten die Menschen zu Deutschland. Man merkt ihm an, dass ihn das Thema beschäftigt.Die Salafisten wollten „alles zurückdrehen auf die Zeit von Mohammed“, Ismail Tipi ist selbst gläubiger Muslim, die Instrumentalisierung der Religion geht ihm aber gehörig gegen den Strich.

Nur ein paar Flugstunden von Obertshausen weg, sitze der IS-Terror. Dass es sich dabei nicht „nur um ein paar Spinner“ handele, zeigten die aktuellen Ereignisse. Der IS spreche Deutsch. 1500 Menschen aus der gesellschaftlichen Mitte lebten in den „German Camps“ und müssten sich dort durch Vergewaltigungen, Entführungen und Hinrichtungen beweisen.

Schon seit Mitte der Achtziger habe er in Texten vor den Salafisten gewarnt. Die Zuhörer schaudert's, als er von eigenen Erfahrungen erzählt. Eine Schülerin fragt, ob er denn jemals Kontakt zu den Salafisten gehabt habe. Seine gebrochene Nase, Resultat eines solchen Kontakts, wolle er sich als Mahnmal nicht richten lassen. Drei Kollegen der türkischen Zeitung Hürriyet, bei der er das journalistische Handwerk gelernt hat, seien Anschlägen von Extremisten zum Opfer gefallen.

Eben solche wie Pierre Vogel wollten „verbrannte Erde“ hinterlassen. Das Verteilen von Koran-Büchern, die nur die Stellen enthielten, die ihnen zupass kämen, sei nur die erste Kontaktaufnahme. Das (Konvertieren und die Radikalisierung die nächsten Schritte.

Was Tipi vorträgt, hat etwas yon Predigt. Was er gegen die Verbreitung des muslimischen Glaubens habe? Nichts. Das sei aber eine Sache zwischen dem Einzelnen und Gott. Die Terroristen seien jedenfalls nicht die richtige Anlaufstelle.

Eine andere Schülerin fragt, ob er das nicht zu persönlich sehe. Darauf antwortet Tipi nicht direkt. Zu den Opfern des IS habe er kein verwandtschaftliches Verhältnis, daher sei es keine Privatsache.

„Warum warnen wir nicht vor denen, die Muslime töten?“, fragt ein anderes Mädchen. Auch da bleibt. Tipi hart. Es gehe nicht um die Religion, sondern den Extremismus allgemein. Das „aber“ der Schülerin würgt er mit „kein aber“ ab.

Ein Lehrer bezieht sich auf eine Aussage in einer Sonntagszeitung, Salafisten seien die besseren Sozialarbeiter. Wie man das erwidern könne, wenn an der GKS zum Sommer die Sozialarbeiter- stelle gestrichen werde. Tipi betont die Wichtigkeit der Bildung. Das Schuldenproblem führe aber vieles ad absurdum.

Emotional wird es auch, wenn Tipi meint, muslimische Gebete gehörten nicht - auf einen Schulhof. Ein Schüler meint, man solle doch fünf Mal am Tag beten. Tipi kontert mit der Auslegung des Koran, nennt Ausnahmen. Freiheit ja, aber es gebe überall Spielregen.

Es wird die Frage gestellt, was denn der Einzelne tun könne. Hinschauen. „Wenn man ein Fass nicht aufmacht, stinkt der Inhalt irgendwann zum Himmel“, sagt Tipi. Und: „Seid intelligent und sagt, was ihr für richtig haltet.“ Die Anschläge von Paris und Kopenhagen haben die Verantwortlichen der GKS dazu erwogen, etwas zu diesem Thema zu machen. Auch wenn an der Schule Probleme mit dem Salafismus nicht akut seien.

Der Landtagsabgeordnete macht aber auch Hoffnung, wenn er sagt: „Ich weiß, dass gerade uns die Religionen verbinden.“ Zu vermuten bleibt: Sein Kampf gegen den Extremismus wird nicht so schnell beendet sein.