Besonderheit „Normalität“ - Freunde-für-Freunde-Fest bringt 7050 Euro

Obertshausen -  

Zum 13. Mal feierten „Freunde für Freunde“ im Pfarrgarten der Herz-Jesu-Gemeinde und sammelten dabei fleißig Spenden. Mit dem Geld organisiert die Gruppe das jährliche Sportfest für Schüler mit Behinderungen.

Von Michael Prochnow

Sada, Sahra, Julia und Rafael haben alle Hände voll zu tun. Die langen blauen Schürzen weisen sie als Georg-Kerschensteiner-Schüler aus, die Vier aus der Klasse 12BG8 mit dem Schwerpunkt Gesundheitslehre bedienen die Gäste auf der Terrasse und im Garten des Pfarrsaals, servieren Bier, Wein und Limo, bringen Kaffee und Kuchen und räumen die Tische wieder ab. „Ohne die Schüler könnten die Spiele im Sportzentrum nicht laufen“, lobt Eddy Schneider die Jugendlichen.

310 von ihnen hatten im Juni die rund 400 Mädchen und Jungen aus fünf sonderpädagogischen Einrichtungen in Stadt und Kreis Offenbach an Spielstationen begleitet, so viele wie nie. Das Interesse an einer sozialen Aufgabe ist enorm, beobachtete Organisator Schneider. Viele der beteiligten Teenager haben sich nach Hospitation und Hilfe beim Fest für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder gar für eine Berufsausbildung auf diesem Gebiet entschieden.

Wahrhaft unglaublich: Die „Unglaublichen“, junge Leute mit Behinderungen, bei ihren Auftritten auf der Freunde-für-Freunde-Bühne.

Das hätte sich Lehrer Schneider, Fachberater Sport für die Schulen in der Region, 2004 nicht träumen lassen. Damals feierte er mit seiner Frau den 50. Geburtstag beider am selben Ort. „Die Idee folgte einem inneren Antrieb“, beschreibt der Pädagoge. Er hatte vor Augen, wie Schüler bis aus dem Odenwald an den Main gefahren wurden, um an Hessischen Meisterschaften teilzunehmen. Für Gleichaltrige mit Handicaps gab es damals keinerlei Austausch oder Begegnungen dieser Art.

„Inklusion war kein Thema in der Öffentlichkeit, heute unterhalten wir uns ganz locker und entspannt darüber“, blickt der Initiator zurück. Und für die Teilnehmer ist das sportliche Programm alljährlich ein großes Vergnügen, auch weil sie dabei vielen neuen Menschen begegnen. Schneider und seine Mitstreiter stießen bei der Verwirklichung des Projekts auf viel Zustimmung bei Ämtern und Behörden – nicht aber auf Geld.

Also organisieren sie auch die finanzielle Seite in eigener Regie. Die Bäckerei Hoffmann aus Mühlheim und der Backshop Kaiser aus der Fressgass’ spendeten Brot und Gebäck, die Metzgereien Picard und Gruber Würstchen und Steaks. Die Glaabsbräu und Getränke Brosch sorgten für Erfrischungen, viele Besucher brachten Kuchen und Torten, aber auch stattliche Geldbeträge mit, die Maingau Energie ihre Bühne und Bares.

Ohne Honorar spielte das Werksorchester Karl Mayer zum Frühschoppen auf, am Nachmittag verbreitete die Big Band um Dietmar Schrod schwungvolle Rhythmen. Besonders herzlicher Applaus schlug den „Unglaublichen“ entgegen, ein Ensemble um Oguz Dogan von der Musikschule, in dem junge Leute mit Behinderungen solistisch aktuelle Hits singen, wahrlich unglaublich! Fürs Auge boten die Mädchen vom spanischen Elternverein Temperamentvolles aus dem Süden, die junge Capoeira-Formation von der Turngemeinde präsentierte den tänzerischen Kampfsport, der in Brasilien gepflegt wird.

Stolz sind die „Freunde“ auf ihr Rekordergebnis: Die Aktion von Eddy Schneider, Thomas Zeiger, Heinz und Marianne Winter, Ede und Hannelore Spielmann, Bernd Zanger, Willi und Nicole Höf, Markus und Monika Diller, Robert und Ulrike Hock sowie Sabine Neumann erbrachte 7050 Euro!