Pauker mit Leib und Seele - GKS-Urgestein Hans-Jürgen Chop verabschiedet sich in den Ruhestand

Offenbach Post vom 27.01.2017
Von Michael Prochnow

OBERTSHAUSEN ~ Pädagoge, Musiker und Organisator - mit Hans-Jürgen Chop verlässt am Dienstag ein absolutes Urgestein die Georg-Kerschensteiner-Schule in den Ruhestand.
Mit dem Januar geht ein gutes Stück Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS). Seit 1981 drückte Hans-Jürgen Chop nicht nur der Fachrichtung Wirtschaft seinen Stempel auf. Auf vielen Feldern eines der größten beruflichen Gymnasien in Hessen hinterlässt der Oberstudienrat Spuren. Am Dienstagmittag führt sein Weg in den Ruhestand. Bereits 1982 - noch vor dem Bum-bum-Boris-Boom richtete Chop Tennis-Kurse für die Oberstufe ein. „Das war damals ein Novum in der Region“, blickt die Lehrkraft mit Trainerschein nicht ohne Stolz auf ihre eigenen Anfänge an der GKS zurück. Auf der Anlage des nahen Tennisclubs Am Waldbad betreute er bald die Schul-Sportmannschaft.

Er engagierte sich in der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen wie Fähigkeiten zur Teamarbeit, Kommunikation und Konzentration. Dabei unterstützte er die Schüler auch, Strategien zur Problemlösung zu entwickeln, förderte Kreativität und Belastbarkeit und stärkte so die soziale Kompetenz der jungen Leute.

Vor den Sommerferien hat Hans-Jürgen Chop stets Abschlussfahrten nach Barcelona organisiert, oft für den gesamten Jahrgang, also für mehr als 100 Teilnehmer. Auch bei den Abi-Bällen im Bürgerhaus führte er Regie. Abgänger schwärmen noch heute von ihrem "Tutor mit Leib und Seele", der seine Schützlinge über den Stundenplan hinaus auf die Reifprüfung vorbereitet hat.
Als der Mitbegründer der bundesweit gefragten Partyband "Doctor Blond" begleitete der Pop-Star unter den Paukern seit vielen Jahren dei Verabschiedung von Kollegen musikalisch. Mit dem Lehrerchor hat er aktuelle Hits umgetextet - jetzt ist er gespannt, was die singenden Pädagogen über ihn dichten!

"Lehrer sollten noch eine andere Leidenschaft haben und nicht nur ihr Fach als das wichtigste sehen", lautet sein Rat an die Verbleibenden. Er habe seinen Job "immer sehr gerne gemacht" und nicht unter einer "Schüler-Allergie" gelitten. "Du musst wissen wie die ticken, darfst aber nicht jugendlicher sind als sie", wird Chop konkret, "sonst machst du dich lächerlich". Trotz dicker Bücher voller Theorie schaffte es der Unterhaltungskünstler immer wieder, mit seinen Klassen ins wahre Leben einzutauchen. Er startete Existenzgründerprojekte, ließ verschiedene Unternehmensformen aufbauen und in Fünfergroppen Gaststätte, Food-Truck und Hausmeister-Service vorbereiten. "Die mussten alles durchlaufen", schildert er, einen Businessplan aufstellen, mit der Bank eine Finanzierung erstellen, bei der Stadt Genehmigungen einholen - und ihre Start-up-Firma in 60 Minuten präsentieren.

"In den ersten fünf Jahren musst du ackern", schreibt er seinen Nachfolgern ins Studienbuch, "und gutes Material sammeln, dann musst du deinen Stil finden". Und: "Je schlechter die Klasse, desto besser musst du vorbereitet sein". An der Uni werden die Lehramts-Kandidaten oft nur wenig für die Praxis gestärkt, findet Chop. Der Vorteil beim Fach Wirtschafts- und Rechnungswesen sei, dass alle Lernenden "bei null anfangen", gleich von welcher Schule sie kommen. Die Schüler-Lehrer-Beziehung leide aber, weil den Lehrern "viel Formales aufgebürdet" werde.

Schulleiter? Wollte Chop niemals werden. "Ich bin immer lieber in die Klasse gegangen, als mit Kollegen zu diskutieren, die keine Lust haben". Regelmäßig erfahre er aus den sozialen Medien im Internet, "wie's gelaufen ist": Abgänger schrieben immer wieder, dass sie auf der "Kerschensteiner" eine gute Grundlage für ihren Job erhalten haben. "Jedenfalls wechseln sie nicht die Straßenseite, wenn sie mich sehen."