Verabschiedungen im Kollegium

273 Jahre Unterrichtserfahrung verabschieden sich zum Schuljahresende 2010 oder haben sich bereits im Januar 2010 von der Georg-Kerschensteiner-Schule verabschiedet. Hinter dieser einfachen Zahl verbirgt sich das Ende eines langen Berufslebens von acht Berufsschullehrerin-nen und Berufsschullehren, die teilweise mehr als vier Jahrzehnte erfolgreich an der Georg-Kerschensteiner-Schule unterrichteten.

Dies sind: 

  • Herr Oberstudienrat Leo Büdel, seit 1978 an der Georg-Kerschensteiner-Schule, 
  • Frau Fachlehrerin Angela Czupalla, mit einer Unterbrechung von 9 Jahren, seit 1970 an der Georg-Kerschensteiner-Schule, 
  • Frau Fachlehrerin Karin Eckert, seit 1969 an der Georg-Kerschensteiner-Schule, 
  • Frau Studiendirektorin Hilde Freisen, seit 1973 an der Georg-Kerschensteiner-Schule, 
  • Herr Oberstudienrat Rudi Knapp, seit 1977 an der Georg-Kerschensteiner-Schule, 
  • Frau Oberstudienrätin Birgit Ludwig, seit 1978 an der Georg-Kerschensteiner-Schule,
  • Herr Studiendirektor Dr. Heribert Wirtz, seit 1976 an der Georg-Kerschensteiner-Schule,
  • Herr Fachlehrer Thomas Zeiger, seit 1977 an der Georg-Kerschensteiner-Schule

Gruppenfoto: Frau Birgitt Ludwig fehlt auf dem Foto

Über all die Jahre hinweg profitierten Tausende von Schülerinnen und Schüler von der Begeiste-rungsfähigkeit, der Lebenserfahrung und dem Wissen der jetzt ausscheidenden Lehrkräfte. Bei aller Unterschiedlichkeit in der Persönlichkeit und dem Charakter prägten alle auf ihre Art die inhaltliche Weiterentwicklung der Georg-Kerschensteiner-Schule sowie das Schulklima. Jeder von ihnen hinterlässt deutlich erkennbare Spuren. Jeder hat mit seinem Wirken bedeutsame Bei-träge zum öffentlichen Ansehen der Schule geleistet.

Ohne Anspruch auf Objektivität und Vollständigkeit verbinde ich mit jedem der zukünftigen Ruheständler etwas Besonderes.

Leo Büdel
Seit seinen Studienzeiten ist er ein kritisch-konstruktiver Wegbegleiter aller bildungs- und schul-politischer Entwicklungen, der mit allen Möglichkeiten für die Umsetzung seiner bildungspoliti-schen Überzeugungen kämpfte. Mit dieser Haltung war er über viele Jahre ein vom Kollegium und der Schulleitung anerkannter und wertgeschätzter Personalratsvorsitzender. Und ganz wich-tig: Gegenüber politisch Andersdenkenden war Leo Büdel nie nachtragend. Gegenüber seinen Schülerinnen und Schülern war er immer ein gestrenger Lehrer, der immer Wert auf Respekt, Disziplin und Strebsamkeit legte.

Angela Czupalla
Frau Angela Czupalla überzeugte in einem zeitaufwendigen Prozess ihre Kolleginnen und Kol-legen im Berufsfeld Ernährung der 2jährigen Berufsfachschule von der Notwendigkeit ein lern-feldorientiertes Schulcurriculum einzuführen. Aufgrund ihres steten Nachfassens besitzt nun der Fachbereich Gastronomie ein vorbildliches Schulcurriculum, das im Unterricht erfolgreich um-gesetzt wird. Bei ihren Schülerinnen und Schülern erkennt sie immer die Entwicklungspotenziale und weniger deren Defizite. Deshalb war es ihr auch immer wichtig, über öffentlichkeitswirksa-me Projekte, die Aufmerksamkeit der Schulgemeinde auf die positiven Lernleistungen der Schü-ler zu lenken.

Karin Eckert
Mit Frau Eckert wird für immer das Projekt „Eine-Welt-Laden“ verbunden bleiben. Ein wunder-bares Unterrichtsvorhaben, bei dem auf vorbildliche Weise in jedem Schuljahr immer wieder aufs Neue ökonomische, ökologische, globale, regionale und ethische Sachverhalte miteinander verknüpft wurden. Und Spaß machte es den beteiligten Lehrkräften und Schülern obendrein.

Und Widerstände und Einwendungen der Schulleitung hat Frau Eckert immer mit einem Lächeln und mit Unterstützung ihres Lehrerteams charmant überwunden. Mit dem Projekt profitierten nicht nur die Schülerinnen und Schüler der einjährigen Höheren Berufsfachschule, sondern die ganze Schule, weil dies ein gelungenes Beispiel ist für den Anspruch, dass Schule auch ein Le-bensraum für die Lernenden sei. Mit Plakaten, Postern, Texten und Verkaufsaktionen wurden für alle en passant Botschaften mit unterschiedlichsten Inhalten transportiert.

Hilde Freisen
Mit Hilde Freisen bekamen die europäischen Schulprojekte an der Georg-Kerschensteiner-Schule ein Gesicht. Seit mehr als 12 Jahren hat Frau Hilde Freisen sich mit Herzblut dafür einge-setzt, dass Schulpartnerschaften ein wesentlicher Baustein einer Schule sind. Hilde Freisen wäre in der Politik die zuständige Ministerin für die Internationalen Kontakte sowie die Comenius Projekte. Europa war ihr Betätigungsfeld. Ob Dänemark, Schweden, Finnland, Spanien, Italien, Irland, Rumänien, Ungarn, Polen und Türkei, nach allen Ländern hat sie Partnerschaften aufge-baut und pflegt sie. Mit ihrer Unterstützung lernten viele Schüler der Georg-Kerschensteiner-Schule ausländische Schüler kennen. Über den immensen Arbeitseinsatz von Hilde Freisen wuchs auch das Ansehen der Schule in der Region.

Dass darüber hinaus Hilde Freisen auch noch Abteilungsleiterin der zweijährigen Berufsfach-schule und der einjährigen Höheren Berufsfachschule, Fachrichtung Ernährung, war, ist vor dem Hintergrund ihres internationalen Wirkens fast eine Fußnote. Dass sie oftmals bis in die Abend-stunden als Abteilungsleiterin erfolgreich Schüler- und Elterngespräche führte, nahmen viele in der Schule selten wahr. Aber auch von diesem Engagement profitierten viele Jugendlichen – entweder durch einen Schulwechsel oder einen Motivationsschub.

Rudi Knapp
Rudi Knapp war ein Marathonläufer, der auf gleichmäßig hohem Niveau über all die Jahre seine Runden drehte, ohne von seinen Leistungen viel Aufhebens zu machen. Als ein Lehrer der leisen Töne hat er nie viel Aufhebens über seine pädagogische Arbeit gemacht, obwohl er mit seinem Einfühlungsvermögen nicht wenige Schüler(innen) vor dem schulischen Versagen auf dem Weg zum Abitur oder zum Berufsabschluss bewahrt hat. Darüber hinaus war er fachlich und metho-disch-didaktisch in BWL und VWL, in Informatik, Rechnungswesen, Geschichte und Politik immer up to date. Bei der Einführung der Notebook-Klassen am Beruflichen Gymnasium hat er hervorragende Arbeit geleistet und die Lehrerteams sowie die Schulleitung hervorragend bera-ten. Aber auch in allen anderen Fällen hat Rudi Knapp nie „Nein“ gesagt, wenn die Schulleitung ihn bat, eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen.

In Konfliktsituationen zwischen Kollegen oder zwischen Kollegen und Schulleitung hat er mit den leisen Tönen immer wieder erfolgreich vermitteln können und Beiträge geleistet, um Gräben zu zuschütten. Deshalb konnte er erfolgreich im Personalrat und in der Schulkonferenz wirken.

Birgit Ludwig
Frau Birgit Ludwig ist ebenfalls Marathonläuferin, die auf gleichmäßig hohem Niveau über all die Jahre ihre Runden drehte, ohne von ihren pädagogischen und fachlichen Leistungen viel Aufhebens zu machen. Gemeinsam mit dem ehemaligen Abteilungsleiter Karlheinz Senn entwi-ckelte sie das Curriculum für die Zusatzqualifikation „Hotelmanagement“ für angehende Hotel-fachkräfte. Die Zusatzqualifikation hat sich zwischenzeitlich zu einem Aushängeschild in der Hotelbranche für die Georg-Kerschensteiner-Schule entwickelt. Die Entwicklungsarbeit kann nicht genügend gewürdigt werden als es für diese Qualifikation in Hessen keinerlei Vorbild gab. Bis zu ihrem Ausscheiden im Januar 2010 hat sie regelmäßig in Prüfungsausschüssen bei der IHK Offenbach für die Hotelfachkräfte und die Industriekaufleute die schriftlichen und die mündlichen Prüfungen abgenommen.

Ihr zweites berufliches Standbein war der Unterricht bei den Industriekaufleuten. Auch bei dieser Schülergruppe besaß sie eine außergewöhnlich hohe Anerkennung bei den Schülern und den Ausbildungsbetrieben.

Dr. Heribert Wirtz
Seit fast 25 Jahren ist Dr. Heribert Wirtz als Abteilungsleiter verantwortlich für das Berufliche Gymnasium. Mit profundem Wissen und einem großen Maß an Personalkompetenz hat er immer wieder aufs Neue den Lehrerinnen und Lehrern die Veränderungen der Verordnung nahe ge-bracht. Ergänzt wurden die Reformen des Beruflichen Gymnasiums durch kompetenzorientierte Lehrpläne und „zentrale Abiturprüfungen“ in den drei schriftlichen Prüfungsfächern sowie eine Präsentationsprüfung. Das jüngste Kind, die Fachrichtung Gesundheit seit 2009, wurde mit sei-ner Unterstützung ebenfalls problemlos in den Bildungsgang integriert.

Die vielfältigen organisatorischen und pädagogischen Aufgaben konnte Dr. Heribert Wirtz u.a. auch deswegen erfolgreich bewältigen, weil er mit viel Vertrauensvorschuss versehen, eine Viel-zahl von Aufgaben an Lehrkräfte delegiert hat. In seinem Führungsstil baute er immer darauf, dass das Führungsprinzip der „langen Leine“ der einzig erfolgreiche Führungsstil an einer Schu-le sein kann.

Thomas Zeiger
Thomas Zeiger steht für die unterschiedlichsten Facetten an der Georg-Kerschensteiner-Schule. Das waren die legendären Skikurse auf der Bärsteinalm in Österreich, der Schüleraustausch mit den USA, die Innovationen in der Bürowirtschaft – so wurde die erste elektronische Tafel an der Georg-Kerschensteiner-Schule auf Betreiben von Thomas Zeiger angeschafft - , Professionalisie-rung der Öffentlichkeitsarbeit. Mit seinen vielfältigen Kontakten zu Unternehmen und in die politischen Gremien hat er über viele Jahre die Schulleitung hervorragend materiell und ideell unterstützt.

Mit Ende des Schuljahres 2009/2010 schließen acht verdiente Kolleginnen und Kollegen in ih-rem Buch des Lebens das Kapitel über ihre beruflichen Aktivitäten und nach einem Innehalten werden alle achte mit dem Schreiben eines neuen Kapitels beginnen, das sicherlich genau so viele positive Momente enthalten wird wie das zurückliegende.

Ich wünsche allen für den nächsten Abschnitt alles Gute, vor allem viele gute Erinnerungen bei dem Rückblick auf ihre Zeit an der Georg-Kerschensteiner-Schule.

Arnold Gündling