Die Welt wartet auf die Absolventen der Höheren Berufsfachschule

Was treibt junge Menschen an? Was bestärkt sie darin, ihren Weg zu finden? Die Georg-Kerschensteiner-Schule veranstaltet jährlich einen Tag im Zeichen der künftigen Absolventen der HBF.

Vor der Aula bietet sich ein außergewöhnliches Bild: elegant gekleidete junge Frauen mit geschmackvollen Frisuren und dezentem Make-up, adrette junge Männer im smarten Anzug. Sie betreten den Flur, der nun zur Bühne wird, mit mehr Bedacht als sonst. Manche sind verunsichert, andere lächeln verlegen, wieder andere treten mit viel Selbstbewusstsein auf. Dennoch - das völlig neue Licht, in das an diesem Tag bekannte Mitschüler tauchen, aber auch die Ausstrahlung, die man selbst zu haben scheint, wirken zunächst ungewohnt. Der Dresscode lautet Business Attire. Kleider machen Leute. Die feierliche Stimmung ist bewusst inszeniert.

Bereits zum elften Mal wurde am 23. März 2016 der Assistententag der Höheren Berufsfachschule an der GKS eröffnet. Handverlesene landestypische „Gassenhauer“ hallten bei der internationalen Begrüßung in zweiundzwanzig Sprachen durch den Saal und animierten die Gäste, nachdem Abteilungsleiterin Andrea Dörnemann das Publikum von Herzen willkommen hieß. Sie war es auch, die das Projekt 2006 ins Leben gerufen hat, denn sie erkannte, wie wichtig Kontakte und klare Bilder von der beruflichen Zukunft für die gut qualifizierten Schüler der HBF sind. Andrea Dörnemann: „Wir möchten den jungen Menschen dabei helfen, diesen wichtigen Schritt nach ihrer Ausbildung bei uns zu gehen. Dazu braucht es ein Netzwerk mit Unternehmen und Bildungseinrichtungen, die genau nach unseren Schülerinnen und Schülern suchen.“ Mit Blick auf die bevorstehenden Abschlussprüfungen im Juni beschäftigt die Frage „Geld verdienen oder studieren?“ viele der Anwesenden. Das Tagesprogramm bot hierzu nicht nur Information, sondern auch Inspiration:

Nachdem Sandra Fürndörfler von der Arbeitsagentur Offenbach über das breite Spektrum an Möglichkeiten informierte, traten Ulrike Möller und Sisa Lema-Lema vom Personaldienstleistungsunternehmen Secretary Plus auf den Plan. Sie bieten Unterstützung beim direkten Berufseinstieg und bereiten Bewerber u. A. gezielt auf Vorstellungsgespräche vor. Beim „Speed-Dating“ wurde ein solches Jobinterview simuliert. Kandidaten aus dem Publikum erklärten sich spontan zur Teilnahme bereit und stellten sich den resoluten Fragen der Geschäftsfrauen. Teilnehmer und Publikum konnten die aufregende Situation eines echten Bewerbungsgesprächs authentisch nachempfinden. Obendrauf gab es ein erhellendes Feedback von Expertinnen und Schülern.

Wer über ein Studium nachdenkt, konnte den Erfahrungen zweier Studenten lauschen: Über die Ausbildungs- und Karrierechancen bei Lidl referierte Sebastian Bartel, der ein duales Studium beim größten Discounter Europas absolviert. Auch Oliver Kins, ehemaliger Schüler der HBF, sprach über die Vorzüge ausbildungsintegrierender Studiengänge. Gemeinsam mit Meike Hoth informierte er über die Theorie- und Praxisverzahnung an der Berufsakademie Rhein-Main. Der Student dachte zurück an seine Schulzeit und versicherte potentiellen Nacheiferern, dass ihn die Ausbildung an der GKS für viele Bereiche des Studiums gut vorbereitet habe.

Dass praxisorientiertes Studieren auch bedeuten kann, die Fähigkeit zu erlangen, WhatsApp-Nachrichten von Freunden und Bekannten auszuspionieren, verdeutlichte Ernst Schulten von der Hochschule Aschaffenburg. Der Lehrbeauftragte des Gebiets Social Media Marketing begeisterte mit Einblicken in die praktische Arbeit seiner Studenten, bei der hochinteressante Erkenntnisse über die Möglichkeiten und Gefahren sozialer Netzwerke ans Licht kommen.

Inspiration gab es auch für diejenigen, die nach der Schule Erfahrungen im Ausland sammeln oder erst einmal eine sinnstiftende Auszeit nehmen wollen. Judith Liehr und Sinidu Tsegaye zeigten Möglichkeiten auf, wie dies im Rahmen von Au pair, Travel and Work oder diversen Auslandspraktika realisiert werden kann.

Doch bevor die große Zukunft nach der Schule beginnen kann, müssen die Abschlussprüfungen gemeistert werden. Ein wenig Motivation kann also nicht schaden, weshalb es sich die 12 HBF2-5 gemeinsam mit Martina Schablitzki zur Aufgabe machte, im Rahmen eines Unterrichtsprojekts brauchbare Trainingstipps von Schülern für Schüler zu entwickeln.

Die Organisation des Assistententags lag ebenfalls in Schülerhand und wurde von der Klasse 12HBF2-6 unter Leitung von Manfred Gottwald auf die Beine gestellt. Als Moderatorinnen traten Joelle Beutelspacher und Samantha Pulz in Erscheinung, die durchweg mit Souveränität und Charme glänzten.

Bei der Verabschiedung hob Dirk Ruber die Bedeutung von Zielen hervor: „Ohne Ziele stumpft der Mensch ab. Dabei ist es egal, ob man alle Ziele erreicht. Wichtig ist es, diese Ziele mit Energie zu verfolgen.“ Der Schulleiter sprach über „Bilder im Kopf“ und betonte, dass es diese Bilder von der Zukunft seien, die uns Menschen vorantreiben.

Als die Schülerinnen und Schüler am Nachmittag die Aula verlassen, sind die verlegenen Blicke und die Unsicherheit vom Morgen verflogen. Aufrecht schreiten junge Frauen und Männer vorüber, die wissen, dass sie gefragt sind. Sie haben an diesem Tag viele mögliche Zukunftsbilder im Kopf durchgespielt, einige von ihnen haben nun sehr klare Bilder vor Augen. Die Kleidung, die noch wenige Stunden zuvor bei dem ein oder anderen ungewohnt wirkte, wird nun aufrecht und mit beeindruckendem Selbstverständnis getragen. Ein Beweis dafür, dass nicht nur Kleider Leute machen, sondern insbesondere junge Menschen in die äußere Form, die ihnen zugetraut wird, „von innen“ hineinwachsen können. Mit dem Assistententag leistet die Georg-Kerschensteiner-Schule einen großen Beitrag, diesen „Wachstumsschub“ ihrer Schülerinnen und Schüler zu begünstigen.